Wenn Pilates nicht mehr reicht
In sozialen Netzwerken kursieren derzeit verblüffende Aufnahmen, die auf den ersten Blick wie digitale Bildmanipulation aussehen: mehrere Sonnen gleichzeitig am Himmel oder gleich vier Monde über einer Großstadt. Doch was so unwirklich erscheint, ist tatsächlich real – entstanden durch ein faszinierendes Zusammenspiel aus Kälte, Eiskristallen und Licht.
Das Phänomen der Nebensonnen
Immer öfter tauchen Fotos aus frostigen Regionen wie Kanada, Skandinavien oder Russland auf, die mehrere Sonnen in einer Reihe zeigen. Das klingt mysteriös, hat aber eine klare wissenschaftliche Erklärung: Winzige Eiskristalle in der Atmosphäre brechen und spiegeln das Sonnenlicht auf eine Weise, die zusätzliche Lichtpunkte entstehen lässt.
Meteorologen sprechen in diesem Zusammenhang von Nebensonnen – auch bekannt als Sonnenhunde oder Sundogs. Nur eine der sichtbaren Lichtquellen ist die echte Sonne; alle anderen sind rein optische Spiegelungen.
Diese Bedingungen braucht es für Nebensonnen
- Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt
- Hohe Eiswolken vom Typ Cirrus oder Cirrostratus
- Flach geformte, sechseckige Eiskristalle
- Eine tief stehende Sonne – typischerweise morgens oder abends
Die Lichtstrahlen werden beim Durchqueren der Eiskristalle in ganz bestimmten Winkeln gebrochen und gebündelt. Das Ergebnis: mehrere helle Lichtpunkte, die scheinbar gleichzeitig am Himmel leuchten.
Vier Monde über Sankt Petersburg
Im Februar 2026 sorgte ein ähnliches Spektakel über Sankt Petersburg für Aufsehen – diesmal allerdings mitten in der Nacht. Mehrere leuchtende Monde erschienen nebeneinander am Nachthimmel. Auch hier steckt keine Täuschung dahinter, sondern ein sogenanntes Paraselen-Phänomen, also ein Nebenmond.
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Das Funktionsprinzip ist identisch mit dem der Nebensonnen – mit dem einzigen Unterschied, dass hier nicht das Sonnenlicht, sondern das schwächere Licht des Mondes durch die Eiskristalle gebrochen wird.
Warum Paraselen so selten zu sehen sind
- Es braucht extrem kalte, wolkenlose Nächte
- Feine Eiskristalle müssen in der Luft schweben
- Der Mond muss besonders hell sein – am besten nahe Vollmond
- Geringe Lichtverschmutzung ist Voraussetzung
Da Mondlicht im Vergleich zu Sonnenlicht erheblich schwächer ist, treten solche Erscheinungen nur unter sehr günstigen Bedingungen auf – und sind deshalb ein echtes Naturschauspiel.
Die Physik dahinter: Einfach erklärt
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Brechung | Licht ändert beim Übergang von Luft zu Eis seine Richtung. |
| Reflexion | Licht wird von den Kristalloberflächen zurückgeworfen. |
| Dispersion | Einzelne Farbanteile des Lichts werden unterschiedlich stark abgelenkt. |
Verwandte Erscheinungen am Himmel
- Halos – leuchtende Ringe um Sonne oder Mond
- Lichtsäulen – vertikale Lichtstreifen über Lichtquellen
- Regenbögen – Lichtbrechung durch Wassertropfen
- Doppelte Regenbögen – durch mehrfache Reflexion im Tropfen
So beobachtet man solche Phänomene
- Auf sehr kalte, klare Tage oder Nächte achten
- Den Himmel auf dünne, hohe Eiswolken absuchen
- Sonne oder Mond leicht mit der Hand abschirmen, um die Nebenlichter besser zu erkennen
- Kamera oder Smartphone griffbereit halten
Mythos vs. Wissenschaft
Naturphänomene wie Nebensonnen oder Paraselen werden im Netz gerne mit Verschwörungstheorien oder apokalyptischen Szenarien verknüpft. Dabei lassen sie sich vollständig und eindeutig durch die Physik erklären – sie stellen keinerlei Gefahr dar und sind schlicht ein Beweis dafür, wie spektakulär die Natur sein kann.
Der Blick nach oben lohnt sich
Mehrere Sonnen oder Monde gleichzeitig zu sehen bleibt ein seltenes Erlebnis. Doch bereits alltäglichere Lichtphänomene wie ein einfacher Halo können beeindruckend sein. Wer aufmerksam durch den Tag geht und ab und zu in den Himmel schaut, wird immer wieder von dem überrascht, was die Natur zu bieten hat.













