Ein viraler Trend auf dem Prüfstand
Wer regelmäßig Beauty-Accounts auf TikTok oder Instagram verfolgt, ist ihr vermutlich schon begegnet: einer kleinen, orangefarbenen Seife, die seit einiger Zeit die sozialen Medien im Sturm erobert. Diese leuchtend bunten Seifen gelten als neuester Beauty-Trend und versprechen nichts Geringeres als strahlend helle Haut.
Doch der Hype hält einer näheren Betrachtung kaum stand. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Beauty-, Gesundheits- und Nachhaltigkeitslabors des Good Housekeeping Institute haben sich den Trend genauer angeschaut – mit ernüchterndem Ergebnis. Obwohl Kojisäure grundsätzlich hautaufhellend wirken kann, raten die Experten klar von der Seifenform ab.
Was steckt hinter Kojisäure?
Bevor man versteht, warum die Seife enttäuscht, lohnt ein Blick auf den Wirkstoff selbst. Kojisäure ist ein kosmetischer Inhaltsstoff, der zur Aufhellung der Haut eingesetzt wird. Er kommt sowohl in der Natur vor als auch im Labor hergestellt werden.
Sabina Wizemann, Leiterin des Beauty-Labors am GH Institute, erklärt: „Verschiedene Pilzarten, insbesondere Aspergillus oryzae, produzieren Kojisäure auf natürlichem Wege. Darüber hinaus lässt sich diese organische Verbindung durch biologische Fermentation von Kohlenhydraten oder durch chemische Synthese gewinnen."
Wie wirkt Kojisäure auf die Haut?
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Kojisäure das Enzym Tyrosinase hemmt – genau jenes Enzym, das für die Melaninproduktion verantwortlich ist. Eine reduzierte Melaninbildung hat sowohl positive als auch negative Konsequenzen.
Laut Wizemann kann eine geringere Melaninproduktion dazu beitragen, den Hautton zu vereinheitlichen, dunkle Flecken zu reduzieren, Hyperpigmentierungen zu behandeln und Melasma zu lindern. Gleichzeitig erhöht Kojisäure die Empfindlichkeit der Haut gegenüber UV-Strahlung – ein wichtiger Aspekt, den man bei der Anwendung keinesfalls vergessen sollte.
Kojisäure besitzt noch weitere Eigenschaften: Sie kann die Haut vor freien Radikalen schützen und antibakteriell wirken. Eine Studie belegte, dass der Wirkstoff das Wachstum von Akne-Bakterien hemmen kann. Eine weitere Untersuchung zeigte, dass seine antioxidativen Eigenschaften die Haut vor Schäden durch Umweltgifte wie Smog und Feinstaub schützen können.
Warum Kojisäure-Seife trotzdem nicht empfohlen wird
All diese Vorteile klingen verlockend – warum also nicht einfach täglich eine Kojisäure-Seife verwenden? Die Experten des Beauty-Labors sind sich einig: Kojisäure-Seifen werden die Haut höchstwahrscheinlich nicht wirklich aufhellen. Dafür gibt es mehrere gut begründete Ursachen.
Der Wirkstoff wird sofort abgewaschen
Im Gegensatz zu Seren oder Cremes wird Seife unmittelbar nach dem Einschäumen wieder abgespült. Wizemann erklärt dazu: „Da Seifen Abspülprodukte sind, ist die Einwirkzeit zu kurz, damit Kojisäure tief genug eindringen kann, um das Tyrosinase-Enzym zu blockieren und die Melaninproduktion zu hemmen."
Das bedeutet im Klartext: Die Kojisäure, die auf die Haut aufgetragen wird, wird kaum absorbiert – und kann daher ihre Wirkung nicht entfalten.
Keine gezielte Anwendung möglich
Ein weiteres Problem besteht darin, dass Seife großflächig auf den Körper oder das Gesicht aufgetragen werden muss. Eine präzise Behandlung einzelner Problemzonen ist damit schlicht nicht möglich.
Erschwerend kommt hinzu, dass Kojisäure wasserlöslich ist und sich schnell auflöst. Wizemann ergänzt: „Zusätzlich ist sie instabil, wenn sie Luft, Licht oder einem höheren pH-Wert ausgesetzt wird – wie er in Seifen typischerweise vorliegt, die alkalischer sind als Seren und Cremes."
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Für eine optimale Wirkung braucht Kojisäure laut Wizemann die richtigen Rahmenbedingungen: einen niedrigen pH-Wert, unterstützende Inhaltsstoffe, die die Eindringtiefe verbessern, sowie ausreichend Kontaktzeit mit der Haut. All das bietet eine Seife schlicht nicht.
Nicht für jeden geeignet
Das Cosmetic Ingredient Review stuft Kojisäure in Leave-on-Kosmetika bei Konzentrationen von bis zu 1 % als sicher ein. Dennoch können Menschen mit empfindlicher Haut unerwünschte Reaktionen erleben.
Wizemann warnt: „Je nach Konzentration und Anwendungsdauer kann es zu Rötungen, Spannungsgefühl, Trockenheit und Reizungen kommen – besonders bei Menschen mit empfindlicher Haut oder Ekzemen." Selbst wer keine empfindliche Haut hat, sollte beachten, dass Kojisäure die UV-Empfindlichkeit erhöht. Das bedeutet: konsequenter Sonnenschutz mit mindestens LSF 30 auf allen exponierten Hautpartien ist Pflicht.
Gibt es dennoch Gründe, Kojisäure-Seife auszuprobieren?
Warum kursieren dann so viele Erfahrungsberichte in sozialen Netzwerken, die von strahlender Haut durch Kojisäure-Seife schwärmen? Die Antwort liegt in der Rezeptur selbst – nicht im Kojisäure-Anteil.
Wizemann stellt klar: „Es ist wichtig zu verstehen, dass jedes Produkt aus mehreren Inhaltsstoffen besteht. Das Zusammenspiel dieser Inhaltsstoffe bestimmt die Wirksamkeit und die Vorteile eines Produkts."
Die meisten als „Kojisäure-Seife" vermarkteten Produkte enthalten zusätzlich reinigende und exfolierende Substanzen. Diese können laut Wizemann besonders für größere Körperstellen wie Rücken und Brust hilfreich sein – sie helfen dabei, abgestorbene Hautzellen zu entfernen, Akne zu reduzieren, die Haut zu glätten und dunkle Flecken zu mindern. Eine leichte Aufhellung über Zeit ist also möglich, aber sie geht auf das Konto anderer Inhaltsstoffe – nicht der Kojisäure.
Wer dennoch ein solches Produkt ausprobieren möchte: Es ist nicht grundsätzlich gefährlich. Wichtig ist jedoch, sicherzustellen, dass das Produkt behördlich zugelassen ist.
Diese Alternativen empfehlen Experten zur Hautaufhellung
Statt auf den Kojisäure-Seifen-Trend aufzuspringen, empfehlen die Beauty-Lab-Wissenschaftler, diesen Wirkstoff in Form von Seren, Peelings und Cremes in die Hautpflege zu integrieren. Wizemann erklärt: „Kojisäure findet sich häufig in Seren und Cremes, kombiniert mit anderen aufhellenden Wirkstoffen wie Niacinamid, Vitamin C und Arbutin."
Für alle, die auf Kojisäure verzichten möchten, sind Vitamin-C-Seren sowie Produkte mit Niacinamid – einer Form von Vitamin B3, die den Hautton vereinheitlicht – eine bewährte Alternative.
Eines sollte man bei all diesen Produkten jedoch im Hinterkopf behalten: Schnelle Ergebnisse sind nicht zu erwarten. Wizemann betont, dass erste leichte Aufhellungseffekte erst nach ein bis zwei Wochen sichtbar werden können, während deutlich wahrnehmbare Veränderungen vier bis zwölf Wochen in Anspruch nehmen.













