Zwei Trainingsmethoden, ein ehrlicher Vergleich
Keltie O'Connor, eine erfahrene Athletin, trainiert seit 15 Jahren mit Gewichten. Vor fünf Jahren kam Pilates dazu. „Ich beende heute die Debatte darüber, was besser ist – oder ob man überhaupt wählen muss", erklärt sie. Dr. Stephanie Estima, eine Physiologin mit Spezialisierung auf Frauengesundheit, hat bereits darauf hingewiesen, dass beide Methoden grundlegend unterschiedliche Auswirkungen auf die Muskulatur haben und damit zu verschiedenen Ergebnissen führen.
Da beide Trainingsformen technisch gesehen unter den Begriff Widerstandstraining fallen, fällt die Entscheidung vielen schwer. Keltie teilt ihre persönlichen Erkenntnisse – inklusive der Vor- und Nachteile beider Methoden und wie sich ihr Körper verändert hat.
1. Pilates hat meine Haltung verbessert und mich vor Verletzungen geschützt
„Pilates hat meine Beweglichkeit deutlich verbessert, mir geholfen, meine Körperhaltung zu korrigieren, und dafür gesorgt, dass ich Muskeln aktiviere, die ich sonst kaum benutze." Diese Trainingsform stärkt die Verbindung zwischen Geist und Muskel auf eine ganz besondere Weise.
Beim Krafttraining arbeitet man in der Regel mit den großen Muskelgruppen. Pilates hingegen zielt auf die kleineren, tieferliegenden Muskeln ab, die dabei oft vernachlässigt werden. Außerdem ist das Verletzungsrisiko deutlich geringer, da die eingesetzten Gewichte wesentlich leichter sind als beim schweren Krafttraining – wo ein Fehler schnell ernsthafte Folgen haben kann.
2. Pilates ist ideal für Tage mit wenig Energie
„Wenn ich mich in einer ruhigeren Phase befinde und nicht zu hart trainieren möchte, gehe ich zu einer Pilates-Stunde. Es ist immer noch Widerstandstraining, aber ohne überwältigende Intensität." Man kann sich fast ein wenig treiben lassen und die Bewegungen einfach ausführen.
Die Anstrengung ist anders als beim Gewichtheben – vergleichbar mit einem langen Plank: nicht brutal, aber es brennt auf eine ausdauernde, unterschwellige Art. „Ich praktiziere Pilates häufig, weil es mir hilft zu entspannen, meinen Cortisolspiegel niedrig zu halten und wahrzunehmen, wo mein Körper Schmerzen hat. Es bringt mich wirklich in Kontakt mit mir selbst."
Das Krafttraining hingegen betrachtet sie wie eine ärztliche Verordnung: Sie zieht es durch, auch wenn sie keine Lust hat – weil sie weiß, wie wichtig es für ihre Gesundheit ist.
3. Der soziale Aspekt von Pilates hält die Motivation hoch
„Es macht einfach viel mehr Spaß, wenn man mit Freundinnen geht. Manchmal reicht es schon, ein schönes Outfit anzuziehen und zur Pilates-Stunde aufzubrechen – das ist Motivation genug, um überhaupt hinzugehen."
Dieser soziale Faktor sollte nicht unterschätzt werden. Regelmäßigkeit ist im Training entscheidend, und alles, was uns dabei hilft, dranzubleiben, hat einen echten Wert.
4. Krafttraining ist die bessere Investition in ein langes, gesundes Leben
„Krafttraining hat mein Selbstbewusstsein gestärkt, mir geholfen, Verletzungen zu vermeiden, und meine Haltung grundlegend verändert. Mit Blick auf die kommenden Jahrzehnte bin ich überzeugt, dass es mir eine deutlich bessere Lebensqualität im Alter sichern wird."
Besonders wichtig ist dabei das Thema Knochengesundheit bei Frauen. Übungen wie Rudern, Kreuzheben und Kniebeugen mit schwereren Gewichten sind hierfür das wirkungsvollste Mittel. Pilates kann zwar ebenfalls zur Knochengesundheit beitragen, aber Krafttraining stimuliert die Knochendichte deutlich effektiver.
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5. Krafttraining ist die budgetfreundlichere Option
„Wenn mein Budget knapp ist, greife ich auf Krafttraining zurück – ohne teure Kurs-Gebühren." Pilates-Stunden können je nach Studio erhebliche Kosten verursachen.
Zwar gibt es für beide Trainingsformen günstige Alternativen – Pilates lässt sich beispielsweise kostenlos auf einer Matte oder über Online-Videos zu Hause durchführen. Doch im direkten Vergleich bietet Krafttraining insgesamt mehr erschwingliche und leicht zugängliche Einstiegsmöglichkeiten.
Meine persönlichen Ergebnisse nach fünf Jahren
„Mein Körper hat sich nicht dramatisch verändert." Keltie ist jedoch überzeugt, dass sie bei einer monatelangen Trainingspause beim Krafttraining rasch an Muskeldefinition verlieren würde. Weder durch intensives Gewichtheben noch durch Pilates ist sie stark voluminöser geworden – ihr Körper verändert sich schlicht nur langsam.
Für alle, die gerade erst mit dem Sport beginnen und gleichzeitig Fett verlieren und Muskeln aufbauen wollen, gilt laut ihrer Erfahrung: „Der einzige Weg, beides gleichzeitig zu erreichen, führt über das Krafttraining." Der Grund dafür liegt im Prinzip des progressiven Overloads.
Beim Krafttraining gibt man dem Körper das klare Signal, die Muskulatur aufzubauen – besonders dann, wenn man schwere Kniebeugen und Kreuzheben ausführt. Die aufgenommene Nahrung wird dann gezielt in den Muskelaufbau umgeleitet, was die Körperform nachhaltig verändert.
Bei Pilates fehlt dieses starke Signal weitgehend. Die einzige Möglichkeit zur Steigerung ist die Erhöhung der Wiederholungszahl, was bei begrenzter Trainingszeit schnell an Grenzen stößt. Beim Gewichtheben hingegen genügt es, einfach eine schwerere Hantel zu greifen oder mehr Gewicht auf die Stange zu legen.
So lassen sich Pilates und Krafttraining sinnvoll kombinieren
Entscheidend ist zunächst die Intensität des eigenen Pilates-Trainings. Handelt es sich eher um Mobilitätsarbeit mit leichten Gewichten, oder absolviert man eine anspruchsvolle Reformer-Stunde auf dem Niveau eines Hochintensitätstrainings?
Die meisten Experten empfehlen zwei bis vier Krafttrainingseinheiten pro Woche. Ist die Pilates-Einheit genauso intensiv wie das Gewichtstraining, kann man eine Kraftsession gelegentlich durch Pilates ersetzen. Bei leichterem Pilates mit Fokus auf Mobilität empfiehlt sich die Kombination aus zwei bis drei Krafttrainings und ein bis drei Pilates-Einheiten wöchentlich.
„Hör auf deinen Körper – aber vergiss nicht: Krafttraining sollte die Grundlage bilden. Pilates ergänzt das Programm ein- bis zweimal pro Woche hervorragend, um Flexibilität zu verbessern oder aktiv zu erholen." Wer Gewichte wirklich nicht mag, für den ist Pilates definitiv besser als gar kein Training – und bietet immer noch einen wertvollen Widerstandsreiz für den Körper.












