Was steckt hinter TPO?
Wer sich schon einmal über den makellos glänzenden Look einer Gel-Maniküre gefreut hat – die unter der UV-Lampe in Sekunden aushärtet und wochenlang ihren Glanz behält – dem hat eine Zutat namens Trimethylbenzoyl Diphenylphosphinoxid zu danken. Da der vollständige Name kaum auszusprechen ist, verwendet die Schönheitsbranche einfach die Abkürzung TPO.
Doch diese Substanz ist in der Europäischen Union seit dem 1. September offiziell verboten. In britischen Nagelstudios und Heimsets ist TPO zwar noch erhältlich – allerdings nicht mehr lange, denn auch Großbritannien wird die Substanz Ende 2026 aus dem Verkehr ziehen.
Warum wurde TPO verboten?
TPO fungiert als sogenannter Photoinitiator: Es verhindert das Verblassen von Farben und beschleunigt das Aushärten von Nagelgelen unter UV-Licht. Forschungsergebnisse haben die Substanz jedoch mit langfristigen Schäden an der Fruchtbarkeit bei Tieren in Verbindung gebracht.
Aus diesem Grund wurde TPO von den Behörden als CMR-Stoff der Kategorie 1B eingestuft – also als krebserzeugend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend. Unter EU-Recht ist das ein Ausschlusskriterium für den Einsatz in Kosmetika.
„Die Branche konnte den weiteren Einsatz dieses Inhaltsstoffs nicht rechtfertigen", erklärte Francesca Rapolla, Leiterin für wissenschaftliche Angelegenheiten beim britischen Kosmetikverband CTPA. Da geeignete Alternativen existieren und TPO nicht als unersetzlich gilt, bleibt das Verbot bestehen.
Nicht alle sind einverstanden
Einige Vertreter der Nagelbranche stehen dem Verbot kritisch gegenüber. Der führende Wissenschaftsexperte Doug Schoon, spezialisiert auf Nagel- und Wimpernprodukte, betont, dass unerwünschte Reaktionen selten auftreten, wenn Produkte von ausgebildeten Fachkräften angewendet werden.
Schoon und mehrere Nagelprodukte-Großhändler sehen das Verbot eher als Vorsichtsmaßnahme denn als Reaktion auf bewiesene Verbraucherschäden. Ihrer Ansicht nach spiegeln die zugrundeliegenden Studien nicht den tatsächlichen Einsatz in Nagelprodukten wider.
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Was bedeutet das für Marken und Nagelstudios?
Für viele Hersteller und Salons bedeutet die neue Regelung eine erhebliche Reformulierungsarbeit. Die Zusammensetzung von Nagelgelen wird sich verändern – die Leistung muss dabei jedoch nicht zwangsläufig leiden. Fachkräfte und ihre Kundschaft müssen sich auf neue Inhaltsstoffbezeichnungen und möglicherweise auf das Label „TPO-frei" einstellen.
Die Umstellung hat allerdings ihren Preis, was vor allem unabhängige Nageltechnikerinnen und kleine Salons zu spüren bekommen könnten.
Einige Marken sind bereits einen Schritt voraus
Manche Unternehmen haben die Umstellung bereits vollzogen. Ein Sprecher von The GelBottle bestätigte, dass alle in der EU verkauften Produkte der Marke vollständig TPO-frei und konform mit der September-2025-Regelung sind. Für Kunden in Großbritannien und den USA werden sämtliche Produkte aktiv auf TPO-freie Formulierungen umgestellt – erste reformulierte Versionen sind bereits erhältlich. Bis zur britischen Regulierungsfrist im September 2026 soll das gesamte Sortiment vollständig umgestellt sein.
Was sollte man jetzt tun?
Bis 2026 werden die meisten Marken voraussichtlich auf alternative Wirkstoffe umgestiegen sein. Die Gel-Maniküre verschwindet nicht – sie wird künftig von einer neuen Generation an Inhaltsstoffen angetrieben. Wer schon jetzt auf der sicheren Seite sein möchte, sollte beim Kauf gezielt auf den Hinweis „TPO-frei" auf der Produktverpackung achten.












